Hoch in die iranischen Berge – Alamut Tal

Vollgestopft mit Kultur, Geschichte und Lebensfreude sehne ich mich nach etwas Ruhe in den Bergen. Etwas abseits des Stadtdschungels will ich Bergluft schnuppern und die Beine etwas anstrengen. Habe ich nicht mal was vom Alamut Tal gehört?

Eigentlich ist Ski-Saison, aber meine Beine signalisieren mir, dass sie doch lieber in den Bergen wandern wollen. Schon seit Wochen freue ich mich auf das Elburs-Gebirge. Nördlich von Teheran erstreckt es sich entlang des Kaspischen Meeres und steigt bis auf 5610 Meter an. Die Teherani nutzen die Berge als ihren Ausweg aus der Smog-Wolke und in anderen Regionen verirrt sich dann doch eher nur vereinzelt ein Tourist hin. Es bleibt eine mächtige Bergkette in der ich drei Wanderungen geplant habe.

Alamut Tal

Alamut Tal

Das Alamut Tal

Legendenumwoben und ich höre nur gutes über das Alamut Tal. Ich poste auf Couchsurfing einen Aufruf und frage erstmal ganz unbefangen, wie man dort hinkommt und ob mich jemand begleiten möchte. Ich erhalte Unmengen an Antworten und kann mich gar nicht wirklich entscheiden, mit wem und wohin ich überhaupt möchte. Aber oft wird mir die Frage nach der Erreichbarkeit mit schwer bis ungünstig beschrieben. Es liegt angeblich zu viel Schnee. Ich lasse mich davon erstmal nicht abschrecken. Eine Couchsurferin aus Teheran bietet mir eine Wanderung auf den Tochal an, den Hausberg Teherans. Als ich das Alamut Tal erwähne, bietet sie mir ebenfalls Hilfe an. Über einige Ecken kontaktiert sie eine Familie,  die halb in Qazvin und halb im Tal lebt. Wer kann besser die Berge einschätzen, als jemand mit Kontakten auf beiden Seiten?

Kühles Naß

Kühles Naß

Dass sich aus dieser Tour ein kleines Drama entwickeln sollte, lass ich erstmal bei Seite. Ich nehme den Nachtbus von Isfahan nach Teheran und mache für einen Tag die Hauptstadt unsicher. Es ist eine mächtige Umstellung von “Kleinstädten” mit vielleicht einer Millionen Einwohnern plötzlich in Teheran zu landen. Die Stadt treibt mich die ersten Stunden in den Wahnsinn. Der Verkehr ist keine Freude, die Metro ein vollgepacktes, modernes Alurohr mit Rädern und ich mit meiner kleinen Großstadt-Phobie, zumindest denke ich das immer, bevor ich die Stadt erstmal kennengelernt habe. Ich verbringe den Tag mit Sightseeing und treffe mich Abends mit Anousha, der Couchsurferin. Wir kochen und quatschen eine Weile und besprechen die nächsten Tage.

Stärkung in Teheran

Stärkung in Teheran

Multitasking

Am nächsten Morgen breche ich dann Richtung Qazvin auf. Der Bus lässt mich am Ortseingang raus und ich fange an zu warten. Nach einer Weile rufe ich Anousha an und frage wo Ehsan bleibt. Ich bekomme nur vage Vermutungen als Antwort. Plötzlich hält ein Taxi neben mir. Ehsan sitzt drin und die ersten Wortfetzen, die wir austauschen, deuten auf einen Umweg hin. Wir fahren wieder Richtung Teheran. Ich bin etwas verunsichert. Eine klärende Übersetzungs-SMS von Anousha beruhigt mich ein wenig, lässt mich aber etwas verärgert zurück, denn das Auto mit dem wir in die Berge wollen, ist kaputt und ich muss Stunden warten, bis es endlich losgeht. So habe ich mir meinen Tag in den Bergen nicht vorgestellt. Als wir dann endlich gegen zwei Uhr losfahren, werde ich von der Aussicht entschädigt. Wir verlassen Qazvin und fahren in die Berge. Im Tal hinter uns rauchen die Fabriken, die Sonne strahlt und der Himmel ist blau. Jeden Höhenmeter, den wir zum Pass hinauf gut machen, liegt etwas mehr Schnee. Die Straße ist aber überraschend sehr gut geräumt und nur auf wenige Passagen liegt etwas Schnee auf dem Asphalt.

Kurz nach dem Pass von Qazvin nach Alamut Valley

Kurz nach dem Pass von Qazvin nach Alamut Valley

Der erste Kontakt mit den Fahrkünsten Ehsans ist ein kleines Drama und Wunder für sich. Auf der Mittelkonsole liegt ein Beutel mit Sonnenblumenkernen. Eine kleine Handbewegung später sind einige davon in seinem Mund verschwunden und werden genüsslich geknackt. Ich mache es nach und muss erstmal wieder üben. Dafür brauche ich dann auch meine ganze Konzentration und ich muss zum Glück nicht fahren. Einige Minuten später klingelt das Telefon. Als wäre das nicht genug, steckt er sich eine Zigarette an und findet, dass das aktuelle Radioprogramm nicht ganz passt. Ich bin eine Weile etwas beunruhigt, dass er sich überschätzt und  als er dann auch noch mit etwas Schmackes über einen Stein auf der Straße fährt, bin ich mir sicher, dass er etwas übertreibt. Den Ausflug auf den unbefestigten Randstreifen quittiere ich mit einer Standpauke, die durch die fehlende Übersetzung an Wirkung verliert. Es kommt genug an und die Weiterfahrt geht etwas ruhiger zu.

Evensee am Nachmittag

Evensee am Nachmittag

In den Bergen

Zwei Stunden später kommen wir am Evansee an. Es ist unangenehm kalt im Schatten der Berge, ich halte mich mit fotografieren kurz und laufe ein wenig um den See. Erst eine liebevoll kläffende Gruppe Hunde drängt mich zur Umkehr. Bevor wir zur Familie fahren, hält Ehsan noch bei einer befreundeten Familie. Wir bekommen Tee serviert. Die beiden Kinder freuen sich über meine Anwesenheit und präsentieren Stolz ihre Englischbücher und ihre anfänglichen Sprachkenntnisse.

Sonnenuntergang im Alamut Valley

Sonnenuntergang im Alamut Valley

Mit Einbruch der Dunkelheit kehren wir bei Ehsans Familie ein. Ein warmer Korsi erwartet uns. Unter dicken Decken, die über dem niedrigen Tisch im Wohnzimmer liegen, glüht Kohle und gibt langsam ihre Wärme ab. Wir schieben unsere Beine unter die Decke und wärmen uns auf. Nur zum Abendbrot wechseln wir kurz in die Küche. Den restlichen Abend verbringen die Familie und ich unter dem Korsi und verständigen uns mit Hilfe eines Wörterbuches. Es ist lustig und interessant. Freunde der Familie schauen noch spät Abends vorbei und leisten uns Gesellschaft. Um 23 Uhr werden aus dem Nachbarraum die Matratzen in das Wohnzimmer getragen und im Ölofen nochmal richtig eingeheizt. Frieren muss heute Nacht keiner.
Familie unterm Korsi
Am nächsten Morgen bekommen wir von der Mutter ein Lunch-Paket in die Hand gedrückt und Ehsan, ich und sein Bruder brechen auf zu einer kleinen Wanderung. Keine klassische Wanderung, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sie führen mich auf einen “Hügel” über ihrem Dorf. Entlang eines kleinen Flusslaufes steigen wir steil auf. Die kniffligste Stelle ist ein vereister Wasserfall über den ich mich nur mit Mühe quäle. Meine Hose saugt sich sofort mit eiskaltem Wasser voll und ich habe nur ein müdes Lächeln für diese Aktion übrig. Ehsan entfacht ein kleines Feuer und die Kleidung trocknet im Nu.

Die drei Wanderer

Die drei Wanderer

Nach der kleinen Klettertour fahren wir zur Festung Alamut. Es ist ein traumhafter Tag. Leichte Schleierwolken hängen über den Berggipfeln. Die Sicht ist klar und die Aussicht wundervoll. Wir erklimmen die Felsenfestung. Vorsichtig platzieren wir jeden Schritt auf den rutschigen Stufen nach oben. Empfangen werden wir von einem Ranger und den Überresten der sagenumwobenen Festung. Leider wurde sie nicht nur nach der Eroberung durch die Mongolen geschliffen, sondern auch durch ein Erdbeben 2004 weiter in die Zerstörung getrieben. Die Überreste lassen dennoch auf eine mächtige Burg schließen, die Teil einer ganzen Kette von Burgen war, welche über dem Alamut Tal thronten.

Alamut Castle - Die berühmte Festung

Alamut Castle – Die berühmte Festung

Handys sind kein Spielzeug

Die Rückfahrt steht bevor und wir holen unsere Sachen bei der Familie ab. Ich bedanke mich mit einer Postkarte aus Jena und gebe mein Bestes, meine persisch Kenntnisse in Schrift umzusetzen. Die Rückfahrt gestaltet sich ebenso spannend, wie die Hinfahrt und jetzt reichen auch meine Worte nicht mehr aus, um Ehsan zu zeigen, dass sein Fahrstil unangebracht ist. Als er uns fast wieder in einen Unfall verwickelt, entreiße ich ihm sein Handy und schleudere es auf den Boden. Ich fühle mich nicht gerade wohl dabei, aber die letzten beiden Tage haben ordentlich Nerven gekostet. Die Berge haben dafür für alle Unannehmlichkeiten entschädigt. Es ist etwas Schade, dass ich nicht länger bleiben konnte, aber die nächste Bergtour steht in zwei Tagen an. Teheran ich komme!

Alamut Castle - Die berühmte Festung

Alamut Castle – Die berühmte Festung

1001 Nacht als Karte

    Wie teuer ist es im Iran?

    Für alle Reiseinteressierten gibt es auf der Seite Wie teuer ist die Welt? – Iran eine Zusammenstellung der Kosten für die Reise in den Iran.

    One response on “Hoch in die iranischen Berge – Alamut Tal

    1. Hi there,
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      Regards
      Nasim

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