Nyiragongo – Blick über den Kraterrand

Auf einem Berg zu stehen – ein erhabenes Gefühl. Auf einem Vulkan zu klettern – etwas besonderes. Aber über den Kraterrand eines aktiven Vulkanes zu schauen – eine ehrfürchtige Verbeugung vor Mutter Natur. Der Nyiragongo Vulkan im Virunga Nationalpark im östlichen Kongo (DRC) lässt einem die Haare zu Berge stehen und gibt eindrucksvoll Einblick in die Tiefen der Erde.

This article has an English counterpart: Crossing Congo – Glowing Earth

Lavasee des Nyiragongo Vulkans (Violett durch die hohe Infrarotstrahlung)

Lavasee des Nyiragongo Vulkans (Violett durch die hohe Infrarotstrahlung)

2002 verwandelte der Nyiragongo Vulkan Goma, die Stadt am Fuße, in ein zweites Pompeji. Durch einen unterirdischen Magmakanal floß flüssiges Gestein aus dem Vulkan heraus und bahnte sich den Weg bis in die Stadt, um dort einen neuen Krater zu formen und Lava durch die ganze Stadt zu schieben. Die Spuren dieses Ausbruches sind in ganz Goma noch sichtbar und formen die Stadttopographie.
2015 näherte ich mich in kleinen Schritten und in großer Erfurcht dem Vulkan, der eigentlich nie auf meiner Reiseliste stand.

Der Auslöser

Noch vor einigen Wochen stand ich plötzlich im Konsulat der Demokratischen Republik Kongo und wollte eigentlich gar nicht da hin. Ziel war damals, das Konsulat von Burundi in Kigoma. Ich lehnte noch dankend und lachend ab, als mir das Visum an der Pforte angeboten wurde. Dann kam ich nach Kigali und verbreitete im Hostel meine Reisewünsche zu den Berggorillas im Volcans Nationalpark und der Besteigung eines Vulkans. Gleich zum Frühstück brachte mich dann jemand komplett aus dem Konzept und gab mir eindringlich, nett und kompetent zu verstehen, dass ich auf der falschen Seite der Grenze das Abenteuer suchte. Dieser jemand berichtete mir von einem eindrucksvollen, aktiven Vulkan und einsamen Gorillas, die nur auf mich warteten.

Nyiragongo Vulkan aus der Ferne

Nyiragongo Vulkan aus der Ferne

Ich begab mich also auf die Suche nach mehr Informationen. Einem Mammut-Unterfangen. Viele Reiseagenturen aus Ruanda lehnten aus Sicherheitsbedenken oder aus Komfortgründen dankend ab. Erst gelangweilte Mitarbeiter einer Reiseagentur im Zentrum Kigalis konnten sich schnell motivieren, mir helfend zur Seite zu stehen und telefonierten ihre Kontakte ab und bald schon hatte ich einen deutsch sprechenden Herren am Telefon; einige Minuten später ein erstes Angebot per SMS. Am nächsten Tag saß ich auch schon im Büro und wir klärten die Details. Manchmal lohnt sich hartnäckiges Suchen.
Als dann auch noch meine Krankenversicherung grünes Licht für den Kongo gab, stand meine Entscheidung fest: Gorillas im Kongo und ein wahnsinns Vulkan noch als Bonus dazu.

Der einfache Teil

Vor dem Aufstieg kommt erstmal die Einreise. Als kleinen Bonus der Reiseagentur holte mich mein Guide im Hostel in Kigali ab und fuhr mich nach Gisenyi. Sein Sohn bezahlte an diesem Samstag mein Visa und am Sonntag lief ich die zwei Kilometer vom Hostel an die Grenze zur DR Kongo. An der Grand Barrière zwischen Gisenyi und Goma bekam ich nach nur kurzem Warten mein Visum eingestempelt und war plötzlich im Kongo. Anfangs ein sehr komisches Gefühl. Überall UN und Blauhelme, aber ich konnte mich frei und ohne Bedenken bewegen.

Der schwierigere Teil

Gemütlich noch im Hotel gefrühstückt, holte mich Joseph, mein Guide, ab und wir fuhren erstmal zum Reifenwechsel. Dieses Mal aber der Ersatzreifen. Der hatte sich am Vortag mit einem lauten Knall verabschiedet. Danach ging es aber wirklich los. Nördlich aus der Stadt hinaus zum Ranger-Posten für den Nyiragongo. Dort angekommen traf ich Dirk und Dieter. Schon zwei Tage zuvor hatten wir uns kurz getroffen und ihre spontane Entscheidung, auch den Vulkan zu besteigen, brachte uns wieder zusammen.

Am Startpunkt mit einem der Ranger

Am Startpunkt mit einem der Ranger

Als dann auch endlich die Reisegruppe WWF eintraf, konnten wir auch langsam loslegen. Anfangs noch fast flach durch den Dschungel, ging es nach der ersten Pause auf lockerem Lavagestein weiter. Mit nun schon zwei Stunden in den Beinen machten wir Pause Nummer 2. Der Pfad schlängelte sich immer weiter durch dichte Vegetation. Ein Blick zurück eröffnete eine großartige Aussicht auf den kleinen Krater im Süden. Dieser wurde 2002 durch einen unterirdischen Kanal vom Hauptkrater gespeist und von dort aus führte ein weiterer Kanal bis nach Goma, wo die Lava durch die Stadt tobte.

Erste Pause am Nyiragongo

Erste Pause am Nyiragongo

Ranger ruhen sich aus

Ranger ruhen sich aus

Die vierte Pause an der alten Hütte kam gerade rechtzeitig, als es heftig zu regnen begann. Insgesamt kamen wir auch nur langsam voran, da wir auf langsame Nachzügler warten mussten. Die drei bewaffneten Ranger erlaubten keine Teilung der Gruppe.

Der südliche Krater am Nyiragongo

Der südliche Krater am Nyiragongo

 

Hütten am Kraterrand

Hütten am Kraterrand

Der letzte Teil der Strecke ging sehr steil die fehlenden 300 Höhenmeter hinauf. Nach knapp einer halben Stunde erreichte ich die oberen Hütten und magisch vom Miniaturgipfelkreuz angezogen, erklomm ich die letzten Meter. Es eröffnete sich mir ein atemberaubendes Panorama über den Kraterrand mit dem brodelnden Lavasee in fast perfekter Mittigkeit.

Lavaleuchten am frühen Morgen

Lavaleuchten am frühen Morgen

Die Schönheit von Mutter Natur

Was sich mir mit dieser Aussicht bot, ist schwer zu beschreiben. In 700 Metern Entfernung, brodelte heißes Gestein. Wie Eisschollen trieben erkaltete Platten, getrennt durch einen rot-orange leuchtenden Streifen umher. An einigen Stellen bildeten sich Lavafontänen und unter einer Art Meeresrauschen schmolzen die Platten wieder und an einer anderen Stelle bildeten sich neue. Eine eigene Atmosphäre im Vulkankrater versperrte manchmal den Blick mit einer Mischung aus Wasser- und Schwefelwolken. Als die Dunkelheit hereinbrach wurde aus dem Schauspiel ein wahres Spektakel. Der Himmel erleuchtete rot und ein Gewitter am Horizont hinterlegte dem Erdenspiel eine spannende und geladene Kulisse.

Rot erleuchteter Himmel über den Hütten am Kraterrand

Rot erleuchteter Himmel über den Hütten am Kraterrand

Auf dem Kraterrand des Nyiragongo

Auf dem Kraterrand des Nyiragongo

Dieser Vulkan zeigt eindrücklich wie klein wir Menschen im Vergleich zur Erde sind und gibt einen unschlagbaren Eindruck, welche Gewalten im Erdinneren wirken. Selbst aus der großen Entfernung spürte ich noch die Hitze dieser Naturgewalt!

Das Erlebnis

Knapp sieben Stunden Aufstieg und fünf Stunden Abstieg hinterließen leichte bis tiefe Spuren in der Gruppe. Während ich den Marsch als sehr angenehm empfand, obwohl ich meine gesamte Ausrüstung selbst trug, kamen andere an ihre Leistungsgrenze und verzögerten die ganze Tour um jeweils zwei Stunden hoch und runter.

Karisimbi Vulkan im Sonnenaufgang

Karisimbi Vulkan im Sonnenaufgang

Dennoch ist das Erlebnis “Aktiver Vulkan” Nyiragongo unbeschreiblich. Ich bin überaus glücklich und froh, diesen Vulkan erklommen zu haben und ihm den Vortritt vor den Vulkanen in Ruanda gegeben zu haben.
Das Schauspiel Nyiragongo von Mutter Natur muss man erlebt haben.

Sicherheitshinweis

Zum Zeitpunkt der Besteigung am 09. und 10.02.2015 lag eine Teilreisewarnung des Deutschen Auswärtigen Amtes für die Region Nord-Kivu vor. Ich übernehme keine Haftung für zukünftige Ausflüge zum Nyiragongo. Bitte informiert euch auf www.visitvirunga.org und www.radiookapi.org über die Sicherheitslage. Der Nationalpark tut alles in seiner Macht stehende, inklusive massiver bewaffneter Rangerpräsenz und Begleitung, um den Aufenthalt sicher zu gestalten und schließt den Park, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann. Besuche sind dennoch auf eigene Gefahr.

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