Alles Abenteuer – per Definition?

Abenteuer, Abenteuer, Abenteuer – ich lese dieses Wort nicht nur häufig, ich verwende es auch gerne. Dann stelle ich mir jedes Mal wieder die Frage, ob ich es nicht etwas zu inflationär einsetzte. Soll es meine kleine Wanderung als Akt des Unmöglichen darstellen, welche ich gerade bezwungen habe? Soll es meine Reise durch ein fremdes Land größer und schwieriger darstellen als es wirklich ist? Soll es einfach nur die Aufmerksamkeit des Lesers auf ein Werk lenken, das im Dschungel der Reiseblogs sonst unter zu gehen droht?

Was ist Abenteuer?

Der Duden verspricht jedem ein außergewöhnliches, erregendes Geschehen. Oft verbunden mit einer gefahrvollen und riskanten Situation, die jemand zu bestehen hat. Natürlich ist das für jeden etwas anderes definiert. Da wird schon der Gang zum Kühlschrank ein Abenteuer, wenn man weiß, dass darin eine elende Leere klaffen wird und das Risiko besteht, dass der Supermarkt am Samstag Abend schon geschlossen ist. Für den anderen ist es das Abenteuer schlechthin, mit dem Auto in eine Großstadt zu fahren und wenn das Navi dann noch ausfällt, sind heutzutage schon pfadfinderische Fähigkeiten gefordert, um an sein Ziel zu kommen. Den meisten Reisenden kommt es wie ein Abenteuer vor, einen Flug zu erreichen oder das Taxi zum Hotel zu dirigieren. Oft ist dabei das einzige Risiko, dass man seinen Flug verpasst oder der Taxifahrer sich für die längere Route entscheidet.

Don Quijote auf Abenteuer-Reise

In die Ferne reiten…

Wer will das Abenteuer?

Jeder sucht sich irgendwie, irgendwann und irgendwo sein eigenes Abenteuer. Ob jetzt jeder den Adrenalinkick eines Bunjee-Sprungs braucht, um von einem Abenteuer zu sprechen, lasse ich jetzt mal dahingestellt. Es gibt nun Menschen, die ihre Komfortzone sehr zu schätzen wissen, sie kennen und sie lieben. Ein absichtliches Abenteuer ist hier eher selten. Geplant und gemacht wird nur das, was auch bekannt und kalkulierbar ist.
Im Gegensatz dazu steht der Erzählertyp. Auf der Suche nach neuen Geschichten lässt er sich auch immer wieder auf das ein oder andere Wagnis ein. Idealerweise ist dann das Abenteuer eine wohl choreografierte Meisterleistung von Agenturen und Abenteuerdesignern. Das klingt nun sehr hochtrabend, ist meist aber nichts anderes als der Urlaubskatalog mit Reisezielen und Aktivitäten, die der Suchende bisher noch nicht ausprobiert hat. Wenn jetzt noch ein TÜV-Siegel an der Aktivität klebt, spricht der Abenteuerer von einem “sicheren Erlebnis”.
An letzter Stelle stehen, vielleicht auch in gewissen Graustufen zu den Komfort- und Erzählertypen, die Adrenalinjunkies. Hier sucht jeder nach einem Erlebnis, dem er gerade so gewachsen ist und wenn möglich auch etwas mehr. Erst wenn die Grenzen der bisherigen Erfahrungen überschritten werden, spricht dieser Typ von einem Abenteuer.

Zipline in Planica

Zipline in Planica

Wo findet man das Abenteuer?

“Idealerweise soweit weg wie möglich” sagt der eine. Der andere findet es vielleicht schon im Vorgarten, wo der Hund des Nachbarn Tretminen gelegt hat. In 70 Prozent der Fälle aber immer genau dort, wo man es nicht haben will. So ist der Familienurlaub das reinste Abenteuer, wenn der Reifen auf der Autobahn tief ausatmet.
Ein sehr beliebter Ort für Abenteuer sind die schon oben genannten Reisekataloge, aber auch Blogs und andere Medien. Alles, was der Autor als besonders anstrengend oder außergewöhnlich findet, endet meist in einem Abenteuer. So auch manchmal meine Texte.

Dhow-Fahrt zurück zur Ilha de Moçambique

Dhow-Fahrt zurück zur Ilha de Moçambique

Warum ist dieses Wort hier?

Kaum ein anderes Wort bietet so viel Spielraum für Interpretation. Es zieht aber magisch Leser an, die die Grenzen anderer kennenlernen möchten und vielleicht auf der Suche nach ihrem richtigen Level von “Abenteuer” sind. Die Kehrseite dieses wundervollen Wortes ist der Neid. Vielleicht auch in anderen Wörtern verpackt, ist es meist ein Kommentar, der das persönliche Erlebnis zu einem Abschaum zusammenschmelzen lässt. Während sich einige über genau das richtige Niveau von Abenteuer freuen, so ist es für manche einfach nicht nennenswert und kein Abenteuer. Ich finde aber, dass dies jedem selbst überlassen sein sollte. Auch dem Abenteuer steht das Recht zu, seine Gefühle und sein Level auszudrücken – wir leben ja immerhin in einer freien Gesellschaft. Der Vergleich zwischen “wahren” Abenteuern hinkt hier und da mal, aber wenn eine Reise durch ein fremdes Land ohne Infrastruktur ein wahres Abenteuer darstellt und das Katalog-Abenteuer nicht, dann ist dies die Sichtweise des Autors.

Strand in Mosambik

Strand in Mosambik

Woran erkennt man Abenteuer denn nun?

Diese letzte Frage hat es in sich. Ich möchte sie auch nicht final beantworten, da in dem Wort “Abenteuer” einfach zu viele Spielraum steckt. Aber wer mehr Sichtweisen lesen möchte, der kann sich hier durchklicken:

Blackdotswhitespots – Was ist eigentlich Abenteuer
Barbaralicious – Was ist ein Abenteuer
Bruderleichtfuss – Was ist ein echtes Abenteuer

Und wer immer noch nicht genug hat, der kann meine Definition von Abenteuer am “Live-Text” nachvollziehen:

Crossing Congo
Wenn alles so Mafia wäre Mosambik: An der Grenze zum Abenteuer

One response on “Alles Abenteuer – per Definition?

  1. ich finde ja, dass der Begriff Abenteuer viel zu inflationär gebraucht wird! Jetzt musste ich doch mal auf meinem Blog schauen 😉 Bei mir kommt er 8x vor: Abenteuer im peruanischen Regenwald (kalkulierbares Abenteuer, da organisierte Tour), abenteuerliche Kletterpartien am Blyde River Canyon (ja, die waren schon sehr herausfordernd und nicht ungefährlich), abenteuerlicher Fahrten als Selbstfahrer durch Süadfrika (naja, viel hätte nicht passieren können außer einem geplatzten Reifen), abenteuerliche Wanderung auf den Azoren (jooooh, könnte man durchgehen lassen), 2x Abenteuer in Irland (naja) und abenteuerlicher Flug nach Rurrenabaque in Bolivien (auf jeden Fall!). Merkzettel für mich: nächstes Mal besser hinschauen, ob meine beschriebenen “Abenteuer” wirklich als abenteuerlich durchgehen!

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