Rundreise durch Albanien – Berge des Nordens

Seit Wochen freue ich mich auf die albanischen Berge. Einen ersten Eindruck bieten Kruja und Tirana. Aber es geht besser. Mit dem Mietwagen geht es in die Albanischen Alpen: Valbona und Theth…noch unbekannt? Bald nicht mehr…

Tagesausflug nach Tirana

Tirana ist quirlig und heiß. Mehr als die Tagesrandzeiten und die Nacht kann man die Stadt schon fast nicht betreten. Ich bin froh, den Mietwagen in einer Seitenstraße vom Hotel sicher abgestellt zu haben und nur die Stadt zu Fuß erkunden zu müssen. Ich fahre einfach zu ungerne Auto. Wirklich “viel” für den oberflächlichen Tagesbesuch gibt es nicht in Tirana zu sehen. Der Skanderbeg-Platz und seine direkte Umgebung sind schon das Highlight. So könnte man denken. Der Rundgang geht recht flott.

Kapllan-Pascha-Türbe

Skanderbeg-Platz

Natürlich kann man mit etwas mehr Stadtlust Tirana voll erkunden, das Nachtleben im Stadtviertel Blloku genießen und rund um den Skanderbeg-Platz, den Uhrturm, die Nationalbibliothek und die Oper besuchen.

Zentrum von Tirana

Pyramide von Tirana

Am meisten fasziniert mich aber die Ausstellung Bunk-Art etwas außerhalb der Innenstadt. Im ehemaligen Regierungsbunker wird Kunst und Geschichte gemischt und bei angenehmen Temperaturen und vielleicht sogar schon etwas zu kühl präsentiert. Der Besuch lohnt sich und vor allem in Verbindung mit dem Dajti Express, der Seilbahn hinauf zum Hausberg von Tirana.

Bunk-Art - Versammlungssaal mit Kunst

Dajti Express

Hier gibt es nicht nur Restaurants mit einer super Aussicht, sondern auch einen kleinen Freizeitpark. Perfekt für Familien mit Kindern. Beim Abendessen auf der Panoramaterrasse genieße ich den Blick auf das leicht diesige Tirana und schaue der Sonne zu, wie sie sich und ihr Spiegelbild in der Adria langsam dem Horizont annähern, um den Sonnenuntergang einzuleiten.

Übersicht zur Rundreise mit dem Mietwagen


Auf der Karte habe ich die Route und meine Highlights zusammengefasst. Natürlich konnte ich in zwei Wochen nicht das ganze Land erkunden. Zur Orientierung habe ich deshalb mir noch weitere bekannte Orte hinzugefügt.

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In den albanischen Norden

Am nächsten Tag schnappe ich mir meinen weißen und noch sauberen Fiat Tipo und entschwinde der Hauptstadt in Richtung Norden. Nach knapp zwei Stunden Fahrt erreiche ich Shkodra. Die Innenstadt lasse ich links liegen und statte der besonders gut erhaltenen osmanischen Bogenbrücke Ura e Mesit einen Besuch ab. Sie ist über hundert Meter lang und wunderbar erhalten. Einst gehörte sie zu einem Handelsweg, der Shkodra und den Kosovo verband. Schon die Römer benutzten den Handelsweg, der um die 50er Jahre es 20. Jahrhunderts seine Bedeutung verlor. Nur wenige Meter neben diesem Handelsweg ist eine neue Betonbrücke, die zum einen schöne Bilder von der Brücke ermöglicht, mir aber für ein schönes Panoramafoto im Bild steht. Im Hintergrund sind schon die ersten Ausläufer der Albanischen Alpen zu sehen.

Ura e Mesit Brücke

Die Legende von Rozafa

Eine weitere Sehenswürdigkeit von Shkodra lasse ich mir natürlich nicht entgehen: die Burg Rozafa. Sie wurde benannt nach einer Sage in der drei Brüder die Burg erbauen wollten und jede Nacht das Mauerwerk zerstört wurde. Erst als ein alter Mann das Einmauern einer Frau riet und die Männer sich auf die Ehefrau einigten, die ihnen zuerst das Mittagessen bringt, wurde aus dem Bau etwas. So bekam die Burg auch ihren Namen. Sie ist nach der jungen Rozafa benannt.

Burg Rozafa

Die Burg liegt auf einem Hügel westlich der neuen Innenstadt. Die alte Stadt in der Umgebung der Burg wurde nach mehreren Überschwemmungen nahezu aufgegeben und ab ca. 1770 zwei Kilometer östlich neu errichtet. Die drei Befestigungsringe hatten enorme strategische Bedeutung und konnten 10 Monate lang 1479 den Türken standhalten. Heute liegt die Burg in Ruinen, dennoch ist die Lage 130 Meter über der Stadt interessant und lässt weite Blicke über den Shkodrasee und die Flussläufe um Shkodra herum zu.

Fahrt über den Komansee

Was man nicht von der Burg aus sieht, ist der Komansee. Ich lasse das Auto am Hotel zurück und nehme einen der vielen Shuttle-Busse zum Fähranleger am Ende der SH25. Wer mit dem Auto selbst kommen möchte, muss sich schon früh im Voraus einen Platz auf der Fähre sichern. Sie sind wirklich nicht groß. Der Komansee ist ein Stausee und kurz bevor man den Fähranleger erreicht, passiert man die mächtige 115 Meter hohe Staumauer. Dahinter wird die Drin zur Stromerzeugung angestaut und bildet einen 34 Kilometer langen Stausee, der sich durch die von der Drin erzeugten engen Schluchten der Albanischen Alpen schlängelt. Mit der Fähre kann man diese atemberaubenden Steilwände in aller Ruhe betrachten.

Fähre auf dem Komansee

Komansee

Fähre auf dem Komansee

Die Fahrt über den Koman-Stausee dauert ca. 2,5 Stunden und ist ein echtes Highlight im Norden Albaniens. Wie viele andere Touristen nutze ich die Möglichkeit, um Richtung Valbona zu reisen. Valbona heißt nicht nur der Ort, sondern auch der Fluss und der Valbona Nationalpark. Mein Ziel. Der Fluss hat hier über Kilometer ein wunderschönes (noch) nahezu abgelegenes Tal erschaffen. Kleine Höfe, Landwirtschaft und neuerdings auch viele Gästehäuser und bald auch ein riesiges Hotel befinden sich hier. Es ist idyllisch und der lange Weg aus Shkodra lohnt sich. Ich lasse meinen kleinen Tagesrucksack in meinem Zimmer zurück und mache mich gleich nach meiner Ankunft auf den Weg in Richtung Maja Rosit.

Albanische Alpen in Valbona

Den Gipfel mit über 2500 Metern werde ich sicherlich nicht erreichen an diesem Nachmittag, aber der Aufstieg in das kleine Seitental ist beschaulich, ruhig und ich fühle mich endlich angekommen. Auf die Berge hatte ich mich schon lange gefreut. Während auf der einen Seite noch die Sonne scheint, tröpfelt es leicht auf mich ein und ich kehre um. Im Natyra Restaurant lasse ich die lokale Küche wohlwollend auf mich wirken und schaue Schafen zu, wie sie zielstrebig aus ihrem Stall auf die Weide rennen, um auch ihr Abendessen zu bekommen.

Nachthimmel über Valbona

Wanderung von Valbona nach Theth

Am nächsten Tag breche ich von meiner Unterkunft auf und wandere die gut asphaltierte Straße in Richtung Talende. Nach einigen Kilometern endet die Straße und ein Schotterweg führt weiter in Richtung Berge. Hier zweigt auch bald der Wanderweg nach Theth ab. Der Wanderweg ist nicht nur Teil des Fernwanderwegs “Peaks of the Balkans“, sondern auch super für eine Eintageswanderung ins Theth-Tal geeignet. Sanft steigt der Wanderweg in die Höhe.

Ich treffe auf reichlich Mitwanderer. Viele davon kenne ich schon aus dem Shuttle nach Valbona und der Komansee-Fähre. Es ist eine wunderbare Atmosphäre auf dem Wanderweg. Man unterhält sich, feuert sich an und unterstützt sich auf dem Weg über den Valbona Pass, auch Qafa e Valbonës genannt. Nach einem sanften Einstieg wird der Weg schlagartig steil und fängt an, sich an ziehen. Am Ende der ersten Strapaze wartet aber das Simoni Kafe. Eine Art Pausenstation. Wer Campen möchte, findet auch hier einen Platz, aber ich habe eher Hunger und Durst. Die Quelle füllt meine Flasche auf, das kalte Bergwasser kühlt die Getränke und einen Snack könnte ich mir auch bestellen. Ich finde aber Gefallen an einem Kaffee. Ich bin zwar schon gut wach, aber irgendwie hat es mir albanischer Kaffee angetan. So viel Liebe steckt in der Zubereitung und das schmeckt man auch.

Simoni Café

Nach der Rast führt mich der Weg wieder gemütlich bis kurz hinter den Abzweig links zum Qafa e Valbonës und rechts in Richtung Qafa e Pejes und Maja Jezerces. Danach steigt der Weg stark an und erklimmt die Wand, die von unten fast zu steil für einen Aufstieg aussieht. Hier begegnen mir die ersten Wanderer aus Theth. Ich beneide sie nicht. Aus Richtung Valbona muss man 800 Meter zum Pass aufsteigen, aus Richtung Theth 1000 Meter. Dafür ist die Seite Theth nicht so steil.

Tal von Valbona

Valbona Pass, Qafa e Valbonës

Am Valbona-Pass angekommen, lasse ich mich auf der kleinen Bergspitze neben dem Pass nieder. Hier ist ein regelrechter Rastplatz für beide Seiten. Die Aussicht in das Valbona-Tal und das Theth-Tal ist traumhaft schön. Ich könnte länger hierbleiben, aber irgendwann juckt es mich, in Richtung Theth abzusteigen. Es dauert nicht lange, da erreiche ich das Kafe Zef Rrgalla. Ich habe viel Zeit und lasse mich schon wieder nieder. Ich glaube, ich habe auf kaum einer Wanderung so viele Pausen gemacht. Ich genieße die Wanderung und fühle mich nicht gehetzt.

Flija - Albanisches Essen

Besuch in Theth

Kurze Zeit später geht es an den längsten Teil der Wanderung. Es fängt an, sich zu ziehen. Ich mochte noch nie bergab laufen. Aber als ich dann das Gästehaus nach gemütlichen 8 Stunden Wanderung mit Pausen erreiche, bin ich dennoch froh. Die Dusche habe ich mir verdient. Am nächsten Morgen erkunde ich noch den nahen Wasserfall und die berühmte Kirche von Theth. Ihr Anblick schon vor einigen Monaten im Reiseführer hat mich verführt.

Kirche in der Bergwelt von Theth

Der Ort ist aufstrebend und die Zahlen der Besucher steigen rasant. Die Gästehäuser sprießen aus dem Boden und beleben wirtschaftlich die abgelegene Region. Dennoch ist der Weg nach Theth beschwerlich. Entweder zu Fuß über den Valbona-Pass oder mit einem geländegängigen Fahrzeug über den Qafa Buni i Thores (Thore-Pass). Erst hinter dem Pass beginnt die gut asphaltierte Straße nach Shkodra. Die 16 Kilometer nach Theth sind eine Herausforderung und wirklich nicht mit einem normalen Auto zu empfehlen.

Schäfer in Theth

Drei Tage in den Albanischen Alpen gehen langsam zu Ende. Ich vermisse schon beim Verlassen des Tals die Ruhe und Gelassenheit, die Natur, die Berge, die kleinen und großen Gewässer und entwickle die Sehnsucht, noch mehr hier zu erkunden; vielleicht auf der Rundwanderung des Fernwanderwegs “Peaks of the Balkans”. Auf der anderen Seite bin ich gespannt, was mich in Albanien auf meiner Rundreise mit dem Mietwagen noch so erwartet.

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