Bootsfahrt auf dem Kongo

Sicherlich eins der letzten großen Abenteuer und Traum eines erfahrenen Backpackers: einmal den Kongo befahren mit allen seinen Tücken und Unberechenbarkeiten.
Schon vor meinem Abflug habe ich die Option den Fluss Kongo herunter zu fahren in Erwägung gezogen, dann aber aufgrund der Visaformalitäten und des ungewissen Zeitpunkts der Einreise das Abenteuer begraben und mich nicht weiter damit beschäftigt. Ein Traum blieb es dennoch.

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Ville de Yalokombe - unser Schiff

Ville de Yalokombe – unser Schiff

Als ich dann am Nyiragongo Dirk und Dieter traf und sie mir von ihrem “Plan” erzählten, den Kongo zu bezwingen, gab ich mir knapp 24h Bedenkzeit, nämlich genau die Zeit für den Auf- und Abstieg am Nyiragongo. Danach stand fest, dass ich mich dem Abenteuer anschließen werde. Zwei Hürden standen nur noch im Wege: mein Visa für die DR Kongo war mit 14 Tagen zu kurz und ich hatte noch keinen Flug nach Kisangani. Es sollten nervenaufreibende Tage werden.

Die Leiden der Administration

Wie es oft im Leben eines Reisenden ist, sind spontane Entscheidungen oft die besten, aber bringen manchmal auch eine Menge Arbeit mit sich. Es ist nun Dienstag Nachmittag. Ich bin gerade vom Nyiragongo abgestiegen und zurück in Goma. Morgen stehen die Berggorillas im Virunga Nationalpark an. Nach einer kurzen Lagebesprechung im besten Cafe der Stadt ziehe ich mit meinem Guide Joseph los, um die erste Mission in Angriff zu nehmen. Mittlerweile hatten wir zumindest auch schon Mission 2, den Flug, angetastet und es schienen noch ausreichend Plätze vorhanden, um Mission 1, das Visa, überhaupt sinnvoll erscheinen zu lassen.
Wir ziehen also nachmittags los, um die Direction General de Migration (DGM) aufzusuchen. Die Freunde der Visaverlängerung verlangen schlappe 183 $ für ein Visum von einem Monat. Ich fülle brav ein Formular aus und komme zurück. Nun werden mir erstmal die Leviten gelesen, was mir einfällt, spät nachmittags aufzutauchen und ein Visum für den nächsten Tag zu verlangen. Ich muss unvollendeter Dinge von dannen ziehen, bekomme aber das Versprechen, rechtzeitig zu meinem Flug am Donnerstag mein Visum zu haben, wenn ich meinen Pass am nächsten Tag nach dem Gorillabesuch abgeben würde.
Also scheitern Mission 1 und 2 erstmal, den ohne Visum brauche ich keinen Flug buchen.
Am nächsten Tag waren die Berggorillas gnädig und ich konnte schon mittags meinen Reisepass abgeben. Aber einen Flug hatte ich immer noch nicht. Ich konnte jedoch mit dem Wissen einschlafen, dass noch Plätze im Flieger frei waren.

CAA-Flug nach Kisangani

CAA-Flug nach Kisangani

Der Tag des Abfluges nach Kisangani war nun endlich gekommen. Ich hätte zwar keinen Reisepass und keinen Flug, aber die Motivation, es noch rechtzeitig zu schaffen. Pünktlich zum Eintreffen der ersten DGM-Beamten saß ich schon auf der Wartebank im Vorgarten und wurde auch glatt gefragt, ob ich dort übernachtet hätte. Dann ging alles sehr schnell und wie versprochen hatte ich meinen Reisepass samt Visum in der Hand. Ich eilte nun fix zum CAA Büro, um meinen Flug zu buchen. Freudestrahlend verließ ich eine Weile später das Büro und hatte Mission 1 und 2 erfolgreich abgeschlossen.

Kein Weg zurück

Jetzt gab es kein Zurück mehr. Kurz nach 10 stieg ich zusammen mit Dieter und Dirk auf drei Mototaxis und ab ging die Fahrt zum Flughafen. Dort wurden wir von einer Passagierbetreuerin von CAA durch den sehr chaotisch scheinenden Prozess des Eincheckens begleitet. Chaotisch auch nur deshalb, weil sie auf unseren Namen anscheinend noch mehr “Gepäck” buchten und sich somit ein Zubrot durch Luftfracht verdienten. Nur sollte das nicht auffallen und so gab es ein riesiges Gewusel um uns herum und mein Boarding Pass brauchte auch etwas länger.
Eingecheckt mussten wir erstmal noch die Flughafen-Gebühr in Höhe von 15 $ abdrücken.
Die Sicherheitskontrolle beschränkte sich auf ein freundliches Lächeln. Dafür nahm die DGM ihre Pflichten sehr ernst und verhörte mich zu unseren Reiseplänen. Die Beamten verstanden nicht ganz, warum man nicht das Flugzeug nach Kinshasa nimmt, das ginge doch viel schneller und komfortabler. Wo sie Recht haben, haben sie Recht.
Die Damen des Gesundheitsamtes nahmen ihre Aufgaben auch sehr gründlich wahr. Nicht nur Gelbfieber, sondern auch Meningokokken und andere Impfungen standen auf ihrer Checkliste. Glücklicherweise bestanden unsere Impfpässe auch diese Prüfung.
Die Wartezeit nutzen wir ausgiebig, um uns auszuruhen und uns das UN-Schauspiel auf dem Rollfeld anzusehen. Sogar zu früh hob dann der Flieger ab und wir landeten im warmen aber recht trocknen Kisangani.

Tipp: In jeder Stadt muss man sich bei der DGM melden. Sie sind immer am Flughafen und in den Häfen kommen sie zum Schiff. Wenn man so ankommt, muss man sie im Büro aufsuchen. Im Normalfall nehmen sie nur die Pass- und Visadaten auf, erkundigen sich nach der Reiseroute, nach möglichen (Sicherheits-)Problemen entlang der Strecke, fragen harmlos und unverbindlich nach einem Geschenk und wünschen einen schönen Tag. Im Transit muss man meist nur mal kurz einen Plausch halten.
Unangenehme Zeitgenossen wollen Formulare ausgefüllt bekommen, Passkopien und Passbilder. Wenn man auf der Durchreise ist, kann man dies meist für einige Tage weghandeln. Schlimme Zeitgenossen wollen Geld als Bearbeitungsgebühr (z.B. fürs Feierabendbier) und drohen mit Gefängnis. Hier hilft nur durchgehende Freundlichkeit, Verweise auf die normale kostenfreie Prozedur und Geduld. Dann kommt man mit einem blauen, kongolesischen Auge davon. TIA – This is Africa.

Kisangani: verblasste Schönheit

Willkommen in Stanleyville

Willkommen in Stanleyville

Stanleyville muss eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Im Flughafen aus den 1970er Jahren kann man noch Elemente von Holzvertäfelung und Kronleuchtern bestaunen. Manches Asphaltstück sehnt sich nach besseren Tagen zurück und gibt meist gegen die Verwüstung der Straßen auf. Die Flusspromenade lässt noch an vielen Parkbuchten, Treppen und der ein oder anderen Mauer erkennen, dass die glanzvollen Tage gezählt sind und es einmal reges automobiles Treiben auf den Straßen gab. Die Innenstadt hat noch ehemalige Prachtbauten, die sich leider einer Verwahrlosung ausgeliefert sehen. Mit viel Phantasie sieht man im heutigen Kisangani noch die einstige Pracht mit Palmenalleen und schön angelegten Flaniermeilen.

Downtown Kisangani

Downtown Kisangani

Es ist schwer, Bilder von Kisangani zu machen, denn fast jeder fühlt sich, auch wenn er nicht auf dem Bild ist, angegriffen und man wird dann auch mal von der Polizei aufgegriffen.
Die von den kriegerischen Auseinandersetzungen gebeutelte Stadt am Kongo Fluss erholt sich nur langsam.

Kathedrale von Kisangani

Kathedrale von Kisangani

Die Wagenia-Wasserfälle in unmittelbarer Nähe von Kisangani sind noch eine Attraktion. Die Fischer haben hier die volle Kontrolle übernommen. Mit viel Verhandlungsgeschick kann man hier für 10$ (Startpreis 50$) pro Person, die einzigartige Korbfischerei bewundern und den Dorfchef besuchen. Natürlich ist ein Blick über die Wasserfälle inklusive.

Wagenia-Fälle

Wagenia-Fälle

Abends kann man an einem der Straßenstände sich etwas zu Essen holen und dann durch die fast dunkle Stadt zurück zum Hotel schlendern.

Tipp: Kisangani hat die letzten Geldautomaten vor Mbandaka. Außerdem ist in den Dörfern entlang des Flusses (mit Ausnahme der “größeren” Städte) der Dollar nicht akzeptiert und auch 1-Dollar-Scheine werden nirgends angenommen. In z.B. Bumba oder Lisala gibt es immer genau eine Bank und Western Union ist vertreten. In den Städten kann man auch Dollar wechseln (außer 1er).

Die Qual der Wahl: Das Boot

Alles was schwimmt könnte für dieses Abenteuer in Frage kommen. Durch meinen Guide in Goma hatte ich einen Kontakt zu Mama Louise bekommen. Hausfrau, Geschäftsfrau und im Tourismusgeschäft involviert. Eine gute Seele in Kisangani, viel wissend und engagiert. Sie reservierte uns die erste Option, um nach Kinshasa zu kommen: einen großen Schubboot-Verband auf dem wir ein Zelt auf dem Achterdecke aufschlagen hätten können und dann in der Kapitänsloge den Tag verbracht hätten. Diese Fahrt sollte zwei Wochen dauern, aber ich denke mal drei bis vier Wochen sind realistischer.

Schubboot auf dem Kongo-Fluss

Schubboot auf dem Kongo-Fluss

Option 2 war ebenfalls ein Schubboot, welches uns nach Lisala bringen konnte. Diese Option vereinbarten wir dann auch, weil uns wahrscheinlich bis Kinshasa todlangweilig geworden wäre und wir auch noch eine Landquerung im Kongo einbauen wollten. Die Fahrt sollte vier Tage gehen und nach Verhandlungen 66 $ pro Person kosten. Unser Zelt hätten wir hier auf dem Schubfloß aufgebaut und hätten sogar noch ein Auto als Unterschlupf bekommen.
Was uns an Option 1 und 2 etwas störte: es war gerade erstmal Donnerstag und die Boote sollten Montag oder Dienstag losfahren. Wie sicher dieser Abfahrtstermin ist, stand für uns in afrikanischen Sternen. Kisangani vor Augen und die limitierten touristischen Möglichkeiten sollte uns bald langweilig werden und uns würde wertvolle Zeit abhanden kommen.
Wir schauten uns deshalb nach weiteren Optionen um. Etwas aussichtslos war unsere Suche schon und wir liefen einfach entlang des Kongo auf der Suche nach etwas schwimmfähigen.
Freitag Nachmittag stießen wir auf eine Baleinière (Walfangboot, bezeichnet aber im Kongo ein kleines Handelsschiff). Schon fast voll beladen wollten die Herren am nächsten Morgen in See stechen und bis Bumba fahren. Option 3 war geboren. Schlafplatz könnte die Kapitänskajüte sein, unser Zelt an den Übernachtungsplätzen oder einfach auf der Ladung. 30 $ pro Person sollte uns der Spaß nach kleinen Verhandlungen kosten. Die Kajüte 10 $ pro Person extra. Die Fahrzeit wurde mit drei bis vier Tagen angegeben.
Wir zogen uns in unser Stamm-Café Meera (mit WLAN) in der Nähe der Post zurück und berieten unsere Optionen. Die Entscheidung fiel auf Option 3. Auch wenn etwas spontan, überhastet und mit offenen Fragen, gefiel uns das Vorhaben immer besser, da wir Kisangani verlassen konnten und vorwärts kamen.

Tipp: Flexibilität bei der Routenplanung hilft bei der Schiffssuche. Boote nach Kinshasa oder Flussabwärts fahren regelmäßig, die Frage ist nur wann. Entweder man kennt jemanden vor Ort (z.B. Mama Louise), die schonmal vorausschaut, oder man läuft einfach ab der Innenstadt flussabwärts und fragt sich von Schiff zu Schiff nach deren Plänen durch. Auch sollte man gleich fragen, wo man übernachten kann und einen Preis verhandeln. Am Ende schaut man sich alle seine Optionen an.

Boarding complete?

Jetzt hieß es nur noch die Vorbereitungen für die Abfahrt treffen und einkaufen gehen. Proviant für vier Tage sollten Corned Beef, Dosenfisch und Brot sein. Ein Glas nußigen Brotaufstrich und Margarine gönnten wir uns auch; Kekse als Nachspeise. Wir kalkulierten Wasser für drei Tage, in der Hoffnung nicht zu lange unterwegs zu sein und unterwegs Nachschub zu finden oder uns Wasser abkochen zu lassen.

Samstag Morgen schleppten wir uns nun samt Vollverpflegung zum Boot. 8 Uhr war uns als Abfahrtszeit genannt worden. Wir waren also da. Die Kathedrale von Kisangani als schützende Ikone hinter uns, setzten wir uns erstmal und schauten dem Treiben zu. Es wurden immer noch Waren aufgeladen bis sich 51 Tonnen über und unter Deck, auf seitlichen Pirogen und im Führerhaus inklusive Gängen stapelten. Die Kathedrale diente uns in erster Hinsicht als Energiespender. Die ganze Nacht gab es keinen Strom, sodass wir elektrischen Beistand gebrauchen konnten. Bis kurz vor Abfahrt waren unsere Akkus wieder gut geladen und fürs Abenteuer bereit.

Kabine auf dem Boot

Kabine auf dem Boot

Unsere Freunde der DGM besuchten uns am Schiff und nahmen noch unsere Daten und das Passagiermanifest auf. Um 12 Uhr legten wir “pünktlich” (es war ja noch Samstag) ab.

Tipp: Zur Ausstattung sollten meiner Ansicht gehören:

  • Zelt (kann ggf. durch Plane ersetzt werden)
  • Moskitonetz
  • Schlafsack und Isomatte
  • Plane und Schnur
  • Taschenmesser und/oder Besteck
  • Bücher
  • Und für Technikbesessene: genügend Strom (Batterien) – Lademöglichkeiten sehe ich maximal auf dem Schubboot

Der Rest kann man sich auf dem Boot basteln (kopiere einfach die lokale Kreativität) oder von jemanden leihen. Wenn man das Boot ausgewählt hat, kann man in Kisangani noch fast alles kaufen, was man ggf. noch benötigt (z.B. Schloss).

Tag 1 bis…wann war nochmal Ankunft?

Matthieu beim Ablegen

Matthieu beim Ablegen

12 Uhr Samstag ging es los. Wir machten es uns in unserer Kabine bequem und erklommen das Dach der Fahrerkabine. Bewaffnet mit Sonnencreme und Fotoapparat, konnten wir die ersten, ungestörten Bilder von Kisangani und der Umgebung machen. Unser Boot erwies sich als Glücksgriff bezüglich Mitreisenden. Sie waren uns gute Fremdenführer und erklärten uns die Geschichte der einzelnen Gebäude entlang des Flusses. Von kolonialen Altbauten, über kongolesisch-historischen Orten zu einzelnen Fabriken am Ufer. Neben diesen Sehenswürdigkeiten wurde es schnell eintönig Urwald soweit das Auge reichte.

Schiffswrack am Ufer

Schiffswrack am Ufer

Für Abwechslung sorgten Dörfer und Siedlungen. Am ersten Tag schafften wir 70 km und legten um 19 Uhr in völliger Dunkelheit kurz vor Yangambi an. Bis auf Pirogen, können die größeren Schiffe aufgrund von Untiefen nachts nicht navigieren und müssen anlegen.

Anlanden von Waren

Anlanden von Waren

Frau in der Piroge längs zum Schiff

Frau in der Piroge längs zum Schiff

Ein uns aus anderen Situationen bekanntes Klopfen aus dem Motorraum kündigte ungutes an. Am nächsten Tag legten wir nicht um 6 Uhr mit Sonnenaufgang ab, sondern wegen Motorproblemen erst um 7:30 Uhr. Kurz vor Mittag erneute zwei Stunden Zwangspause. Um 16:30 war dann die Fahrt nach nur 47 km am Tag 2 vorbei. Kurz nach Isangi zweifelten wir langsam an einer Ankunft in Bumba und schauten uns nach nicht existierenden Optionen auf dem Landweg um. Dies sollte uns aber erspart bleiben, denn am Tag 3 liefen wir sehr früh aus. Begleitet von einem Freudentanz des Piraten, den von uns liebevoll so getauften Mitreisenden.

Sonnenschutz in allen Lebenslagen

Sonnenschutz in allen Lebenslagen

Kapitän John beim Waschen

Kapitän John beim Waschen

126 km sollten wir an Tag 3 hinter uns bringen und an Basoko vorbeikommen. Kurze Freude war das immer mal aufblitzende Mobilfunknetz. Im lokalen Sprachgebrauch auch als Rebellennetz bezeichnet, mal da, mal nicht und immer sehr störrisch.
Am vierten Tag schafften wir nicht ganz so viel, da wir unterwegs die meisten unserer Mitreisenden absetzten. Das Boot sollte am letzten Abend nach 334 gesamten Kilometern sehr ruhig und leer werden.

Pirogen am Ufer

Pirogen am Ufer

Jede Tonlagenänderung des Motors, jede Drosslung der Geschwindigkeit weckte bei uns die Befürchtung, wieder eine Panne zu haben. Beunruhigend, für geübte Mechaniker sicherlich beruhigend, war die Ersatzteilsammlung unter dem Bett in unserer Kabine.
Tag 5, Mittwoch, konnte somit heranbrechen.

Dominik beim Lesen

Dominik beim Lesen

Länger muss man unserer Meinung nicht auf dem Schiff sein. In fünf Tagen kann man jede erdenkliche Situation erleben, Bücher verschlingen, sich an die Menschen und Geschichten an Bord anpassen und ausführliche Gespräche führen. Die Landschaft ändert sich nicht, auf Dörfer folgen Dörfer und der Ausblick wird nur durch Tageszeiten und Wetter verändert.

Tipp: Viel Zeit ist bei diesem Abenteuer ein nötiges Gut. Man sollte sich über alternative Routen bewusst sein. Flughäfen entlang des Flusses mit Verbindung nach Kinshasa via Gemena sind Bumba und Lisala (nur mittwochs) und Mbandaka (mehrfach die Woche) (Quelle: Flugplan der CAA Congo/Stand Februar 2015).

Sternenklar und gut gekühlt

Unser Glück verfolgte uns bis in die Nacht. Von Mathieu, dem Buchhalter des Schiffes, bekamen wir eine Matratze am ersten Abend gereicht. Als Teil der Ladung nutzten wir diese bequeme Alternative zu unseren Isomatten ausgiebig.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Die Nächte blieben bis auf eine Ausnahme sternenklar und statt in der von Ungeziefer geplagten Kabine zu nächtigen, legten wir uns aufs Dach. Abends noch leicht zugedeckt, wurde es in der Nacht kälter und wir schliefen wie im Traum unterm Sternenhimmel. In der Nacht besuchte der Mond die Dunkelheit und am Morgen wachten wir vom Morgentau belegt auf. Die aufgehende Sonne trocknete aber schnell die Umgebung und ein neuer Tag begann.

Tipp: Schlafmöglichkeiten sind auf jedem Schiff unterschiedlich. Im günstigen Fall kann man eine Kabine der Crew mieten. Vielleicht werden Autos transportiert und man es sich in einem Bequem machen. Ansonsten hilft ein Zelt oder eine gespannte Plane gegen Sonne und Regen. Die Toiletten bleiben ein Mysterium. Wir hatten eine Kabine mit Loch am Ende des Bootes oder man nutzt einen Landgang fürs Geschäft.

Hunger und Durst

Wir hatten uns gut für vier Tage eingedeckt. Mit etwas gutem Willen vertrauten wir auch auf kleine Snacks zwischendurch. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Schon im ersten Übernachtungslager trieben wir Bananen und Erdnüsse auf. Am nächsten Morgen nach dem Ablegen wurden wir von Frühstückspirogen “überfallen”. Sie brachten uns Manjok und Fisch. Eine geräucherte Schlange zum Snack durfte auch nicht fehlen. Ein Fuchs wurde uns auch tod aufs Boot gebracht und mein Sitznachbar kaute gemütlich auf Hähnchen, was aber eher nach Fledermaus aussah.

Fischer beim Verkaufen von Frischfisch

Fischer beim Verkaufen von Frischfisch

 

Marktfrau in einen kleinen Dorf entlang des Kongos

Marktfrau in einen kleinen Dorf entlang des Kongos

Unsere freundlichen Mitreisenden und die Crew half an jedem Halt unseren Bananenhunger zu stillen. Verhungert sind wir auf dem Boot definitiv nicht.
Wasser wurde dann schon langsam eng. Erst kurz vor Bumba gab es in einem Ort wieder Wasser in Flaschen. Wir hätten uns sicher was abkochen lassen können. Auch hatten findige Reisegenossen mehrere Kästen Getränke an Bord und verkauften die Flaschen.

Tipp: Essen findet man entlang der ganzen Reise auch wenn man etwas lokaler und extrem eintönig essen muss. Zu Trinken sollte man genügend einkaufen und sich über Alternativen Gedanken machen.

Das Lächeln der Menschen

Mit besten Erfahrungen mit Kongolesen gehe ich aus diesem Abenteuer heraus. Die uns entgegen gebrachte Freundlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft hat mich überrascht. Vom Ufer riefen uns die Kinder “Mundele” (“Weißer”) zu. Unsere Begleiter erzählten offen über ihr Leben und stellten interessiert Fragen über uns. Sie begleiteten uns an jeder Anlegestelle in die Dörfer, verhandelten am Markt unsere Einkäufe und brachten uns in direkten Kontakt als Übersetzer.

Kinder winken vom Ufer

Kinder winken vom Ufer

Am zweiten Tag, unserem Pannentag, erlebten wir das ungeschönte Leben auf dem Land. Kinder spielten mit ungesehenem Elan Fußball, zeigten uns stolz ihren großen Platz. Frauen kochten am Ufer, während einige Männer die Fischernetze flickten. Nach dem Fußballspiel rannten die Kinder einfach die Böschung hinunter um sich im Kongo Fluss abzukühlen.

Hartes Fussballspielen

Hartes Fussballspielen

An anderen Orten übten sie Saltos im Wasser und planschten unbeschwert. Uns gegenüber konnte man ihnen manchmal Angst ansehen, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen weißen Mann sahen. Am Abend des vierten Tages wurde uns von der Dorfgemeinschaft ein 30 Minuten altes Baby vorgestellt. Etwas verschämt stand auch der Vater in hinterster Reihe.
Unsere Erlebnisse waren einzigartig und unzensiert. Hier sind die Menschen noch nicht an Touristen gewöhnt und man genießt noch eine außergewöhnliche Rolle.

Dirk und Dieter mit einer Traube von Kindern

Dirk und Dieter mit einer Traube von Kindern

Die letzten Meter

Nach 381 Kilometern war Bumba fast erreicht. Wir hatten die Sonne bezwungen, die sternenklaren Nächte bewundert, Pannen am Motor und Antrieb ertragen, Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen, Essen geteilt und uns wieder von einer Sandbank befreit. Es fehlte aber noch der Klassiker: Sprit alle.

Blick in den Motorraum

Blick in den Motorraum

Genau zwei Kilometer vor Bumba tuckerten wir nur noch kurz und mussten schnell anlegen. Drei Liter fehlten uns. Dies sollte uns aber nicht lange aufhalten. Wir erreichten nach vier vollen Fahrtagen Bumba. Ein kurzer Besuch bei der DGM und zu Fuß ging es über einstige Prachtstraßen in die Stadt. Unser Kapitän John begleitete uns noch bis zur katholischen Mission, wo der erste Teil des Abenteuers Kongo sein Ende finden sollte. Das Ziel blieb Kinshasa. Der Weg dorthin sollte eine weitere Herausforderung werden.

4 responses on “Bootsfahrt auf dem Kongo

  1. Wow…was für wunderschöne und besondere Eindrücke einer irgendwie fremden Welt.
    Ich habe alles bis zum Ende verschlungen. Diese Fahrt muss klasse gewesen sein. Dagegen fühle ich mich wie ein Reiseamateur 😉
    Aber wer weiß was das Leben noch bringt…ob es mich auch mal spontan zu solchen Abenteuern verschlägt. 🙂
    Afrika…oh du schönes Afrika…

  2. Hey oli,
    ganz ehrlich das nenne ich mal ein Abenteuer!
    Ich traue mir vieles zu aber ich glaube diese Abenteuer würde ich nicht unbedingt planen!
    Danke fürs teilen von solchen Geschichten!

    Liebe Grüße Jenni von http://www.surfdaplanet.de

  3. Wow. Das klingt nach einem tollen Abenteuer! Aber sag mal: Wieso ist Kongo nun ein Traum für erfahrene Backpacker? Nur deswegen, weil es eines der wenigen Länder fast ohne Touristen ist? Oder hat das auch noch andere Gründe?

    • Hallo Oli,
      es ist für mich ein Zusammenspiel von verschiedenen Punkten. Es ist zum einen der Punkt, dass es wenig Touristen gibt und die Menschen noch nicht darauf eingestellt sind. Somit ergibt sich ein natürliches Bild des Landes auch für den “Touristen”. Warum erfahren und nicht für jedermann: Es ist einfach schwierig sich im Kongo zu orientieren. Für mich war es ein Traum, weil ich einfach schon oft über eine Flußfahrt auf dem Kongo nachgedacht habe, aber sie immer wieder verworfen habe: zu unberechenbar, zu unsicher oder einfach nur außer Reichweite. Ich glaube, wenn man gerade mit Backpacken anfängt hat man den Kongo noch gar nicht auf dem Schirm. Bei mir war es ein Prozess.
      Viele Grüße,
      Dominik

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